Radler müssen für Grün weiter betteln
Stadt will fahrradfreundliche Kreuzungen, hält Zeitplan aber nicht ein/Grüne kritisieren langwierigen Prozess
Von Friedrich Niemeyer
Cloppenburg. Eigentlich sollte es längst die Ausnahme sein, aber nach wie vor müssen Radfahrer und Fußgänger an vielen Kreuzungen in Cloppenburg um eine grüne Ampel „betteln“. Bleiben sie vor sogenannten „Bettelampeln“ stehen, bekommen sie erst Grün, wenn sie es anfordern. Ansonsten hat nur der Autoverkehr freie Fahrt. Mehr noch: Wer während der Grünphase für den parallel fahrenden Autoverkehr auf den Taster drückt, erhält kein Grün, sondern muss bis zur nächsten Grünphase warten. Radfahrer und Fußgänger müssen in Cloppenburg also viel Geduld mitbringen. An einer Kreuzung mehrere Minuten zu warten, während die Autos an einem vorbeifahren, ist daher keine Ausnahme.
An einigen Kreuzungen sind die Ampeln bereits „fahrradfreundlich“. An anderen wiederum passiert seit Jahren nichts. Dabei ist schon lange davon die Rede, die Bettelampeln endlich abzuschaffen. An sieben Kreuzungen gibt es laut Verwaltung Bettelampeln. Ende 2023 versprach die Stadt, zumindest die Ampeln an zwei Kreuzungen im Jahr 2024 „fahrradfreundlich“ zu gestalten und im Anschluss an zwei weiteren die Bettelampeln abzuschaffen. Den Zeitplan konnte sie aber nicht einhalten. Das geht aus einer Antwort der Verwaltung auf eine OM-Medien-Anfrage hervor. Radfahrer und Fußgänger müssen sich also weiter gedulden. Aus dem Rathaus heißt es nun, dass voraussichtlich im zweiten Quartal dieses Jahres an folgenden Kreuzungen die Ampeln fahrradfreundlich werden sollen: Fritz-Reuter-Straße / Augustin-Wibbelt-Straße / Zufahrt Marktplatz; Emsteker Straße / Werner-Eckart-Ring / Lankumer Ring und Soestenstraße / Resthauser Straße / Ritterstraße.
Abstimmen muss sich die Stadtverwaltung dabei stets mit der Straßenbaubehörde in Lingen. Die habe bereits in Auftrag gegeben, die Programmierung anzupassen, schreibt die Verwaltung. Die erforderlichen „signaltechnischen Unterlagen“ würden derzeit erstellt und dann der Stadtverwaltung vorgelegt. Im Anschluss daran würden die Programme in die Steuerung der jeweiligen Ampeln aufgespielt. „Für jegliche Änderung an den Ampel-Schaltungen ist eine verkehrsrechtliche Anordnung der Unteren Verkehrsbehörde bei der Stadt Cloppenburg erforderlich“, teilt die Stadt mit.
Michael Jäger (Grüne) kritisiert den langwierigen bürokratischen Prozess. „Es kann doch nicht sein, dass wir ewig brauchen, um eine relative einfache Maßnahme durchzuführen", sagt der Sprecher der Grüne-UWG-Gruppe. Darüber hinaus diskutiere der Rat bereits seit 2016, die Bettelampeln in der Stadt abzuschaffen. Tatsächlich wurde dazu bereits im Verkehrsentwicklungsplan geraten, den der Rat im August 2016 beschlossen hatte. Ein Jahr später stellte die damalige Grünen-Fraktion einen weiteren Antrag zu dem Thema, aus dem jedoch nur ein „Prüfauftrag“ wurde.
Nach einem weiteren Anlauf im Jahr 2020 folgte ein weiterer Antrag im Jahr 2023, den der Stadtrat allerdings ablehnte. Denn die Stadtverwaltung beteuerte, dass sie bereits an dem Thema dran ist. „Ich habe das Gefühl, das ist eine unendliche Geschichte“, sagt Jäger. Ihm fehle das Verständnis für die Zeitverzögerung.
Auf die OM-Medien-Anfrage teilt die Verwaltung weiter mit, dass sie für die Kreuzungsbereiche Molberger Straße / Kirchhofstraße / Bergstraße sowie Fritz-Reuter Straße / Prozessionsweg / Löninger Straße zunächst die Überplanung abwarten wolle. Hier sollen die Bettelampeln also bis auf Weiteres bleiben. Wie berichtet, könnten die Kreuzungen, wie im beschlossenen Mobilitätskonzept vorgeschlagen, neu gestaltet werden. Das aber könne noch Jahre dauern, betont Jäger. „Ich sehe nicht ein, dass wir eine relativ einfache Umstellung so lange verschieben.“ Alle weiteren Anlagen, heißt es aus dem Rathaus, würden bereits fahrradfreundlich betrieben, dürfen nur von Fußgängern genutzt werden oder können aus Gründen der Verkehrssicherheit nicht umgestellt werden.
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