
Mutig: Bob Giddens legte sich unter das Fahrrad von Stefan Schlie. © Thomas Vorwerk
Viel Zuspruch für Radaktionstag
Rund 300 Teilnehmer folgen Einladung an die Thülsfelder Talsperre
Thomas Vorwerk
Landkreis Cloppenburg Das neue Knotenpunktsystem für Fahrradfahrer scheint zu funktionieren. Über 300 Teilnehmer der Sternfahrt zur Thülsfelder Talsperre haben am Sonntag den Weg gefunden und auch viele Radler, die nicht in organisierten Gruppen unterwegs waren, wollten sich das Event rund um das Thema Fahrrad nicht entgehen lassen. Angesichts des mäßigen Wetters am Vormittag ein ganz ordentlicher Besuch. Bei besserem Wetter wäre es wohl ein Mehrfaches gewesen.
Gegen 10 Uhr hatten sich die Gruppen in den 13 Kommunen des Landkreises Cloppenburg in Bewegung gesetzt. Ganz trocken blieb vermutlich niemand, aber der Fahrtwind sorgte dafür, dass bei der Ankunft die Feuchtigkeit aus der Kleidung geblasen war. Und die Experten waren ohnehin durch Regencapes oder wetterfeste Hosen und Jacken gut vorbereitet.
Die Stärkung mit einer Erbsensuppe oder auch Kaffee und Butterkuchen zerstreute die letzten Gedanken an das Wetter, denn auf und am Aktionsplatz wurde beste Unterhaltung geboten. Entweder durch „Radio Artland“, die live berichteten, oder durch die Band „Cliff Barnes and the fear of winning“. 1986 in Quakenbrück gegründet und zwischenzeitlich in unterschiedlichen Besetzungen auf den Bühnen unterwegs, nehmen die Musiker zu besonderen Anlässen immer noch ihre Instrumente in die Hand.
Und zum Radevent am Sonntag passten sie auch deshalb ganz hervorragend, weil der Strom, den sie für Gitarre, Bass und Verstärker benötigten, vor Ort mit dem Fahrrad erzeugt wurde. Auf vier umgebauten Drahteseln strampelten Freiwillige abwechselnd, um die nötige Energie bereitzustellen. Circa 600 Watt waren nötig, um das Equipment am Laufen zu halten. Wer schon einmal auf einem Ergometer gefahren ist, der weiß, dass das auf Dauer eine herausfordernde Angelegenheit sein kann. Aber es reichte, um die Zuhörer bestens zu unterhalten. „Mit diesen Rädern als Energiequelle haben wir auch schon bei der Weltausstellung in Kasachstan ein Konzert gegeben“, berichtete Bob Giddens, Sänger der Formation und auch Moderator des Nachmittags.
Und Giddens durfte auch wagemutig Teil der Show von Stefan Schlie sein. Der vielfache Deutsche Meister und zweifache Vizeweltmeister im Rad-Geländefahren Trial ist zudem der erste Mensch, der mit dem Mountainbike die Zugspitze hinabfuhr. Er nutzte den gebürtigen Engländer als lebendes Hindernis. „Wo ist der Landrat, wenn man ihn braucht?“, scherzte Giddens, denn diese Art der Statistenrolle werde zu gerne den Offiziellen übergeben. Landrat Johann Wimberg hatte sich aber schon auf den Weg zum nächsten Termin gemacht, denn so gut wie überall im Landkreis gab es am Wochenende Großveranstaltungen.
Zur offiziellen Begrüßung hatte Wimberg, ebenfalls mit dem Fahrrad angereist, auf die Bedeutung des Fahrradverkehrs zwischen Barßel und Essen hingewiesen. Über 1500 Kilometer Radwegeinfrastruktur gebe es und es werde weiter am Ausbau gearbeitet. Der Landrat lobte dabei die gute Zusammenarbeit mit den Kommunen, denn ohne die Bürgermeister, Verwaltungsmitarbeiter und Ratsmitglieder vor Ort würden sich so manche Grundstücksverhandlungen schwierig gestalten.
Dirk Gehrmann, Wirtschaftsförderer beim Landkreis, hob die Bedeutung des Radtourismus für die Region hervor. Das hat man kreisweit längst erkannt, und so spielen für die drei Zweckverbände „Thülsfelder Talsperre“, „Hasetal“ und „Barßel/Saterland“ die Naturliebhaber auf zwei Rädern längst eine große Rolle. Hoch war deshalb auch die Nachfrage nach Informationen und Kartenmaterial. Wer auf der Suche nach einem neuen E-Bike oder Gravelbike ist, konnte sich ebenfalls erkundigen. Kreisverkehrswacht, Polizei und ADFC waren zudem vertreten.
Für den Aktionstag konnte man sich im Vorfeld anmelden und sich für 15 Euro ein Ticket sichern. Darin enthalten waren neben dem Mittagessen, Kaffee und Kuchen, einem Getränk und einer Radwanderkarte auch ein Los für die Tombola und eine Spende für eine Fahrradrikscha. Die wird an eine gemeinnützige Organisation aus dem Landkreis verlost. In mehreren Gemeinden sind diese Dreiräder bereits unterwegs. In Cloppenburg machen 40 Ehrenamtliche damit täglich Ausflüge mit den Bewohnern der Seniorenheime. Ein Angebot, von dem beide Seiten profitieren, wie einer der Fahrer gegenüber den OM-Medien erklärte. Die Fahrgäste hätten ein Freizeitangebot und die Fahrer bekämen viel Dankbarkeit zurück, lernten neue Menschen kennen und freuten sich über die glücklichen Gesichter.
Copyright: OM Medien/OM Online/ Text und Fotos von Thomas Vorwerk