Konfliktpotenzial: Wo sich Autos, Radfahrer und andere Verkehrsteilnehmer treffen, kann es auch mal eng werden. Ein Radverkehrskonzept soll Friesoythe für Radler sicherer und attraktiver machen © Heiner Stix.

126 Maßnahmen für den Fahrradverkehr

Neues Konzept der Stadt Friesoythe soll Sicherheit und Attraktivität gewährleisten / Umsetzung dauert noch

Von Heiner Stix
Friesoythe. 126 einzelne Infrastrukturmaßnahmen listet das Radverkehrskonzept für die
Stadt Friesoythe auf. Maßnahmen, mit denen das Radfahren im gesamten Stadtgebiet siche-
rer, besser und attraktiver werden soll. Erforderliche Baumaßnahmen wie etwa Radwegver-
breiterungen oder Überquerungshilfen sind ebenso dabei wie Hinweise auf Gefahrenstel-
len, Lücken im Radwegenetz, unübersichtliche Verkehrsführungen oder potenzielle Kon-
fliktpunkte.

Vorangegangen waren der Konzepterstellung eine öffentliche Auftaktveranstaltung,
Arbeitskreissitzungen sowie die Möglichkeiten, über einen „Wegedetektiv“ Hinweise auf
Schwachstellen im Radverkehrsnetz zu geben. Über einen Online-Fragebogen konnten die
Bürger zudem Angaben zur Fahrradnutzung machen und Fragen zum Fahrradfahren in
Friesoythe beantworten. Dabei schnitt die Stadt insgesamt eher mittelmäßig ab, erläu-
terte Jan Schlüter vom Ingenieurbüro Roelcke, Schütter & Schwerdhelm (I-RS), bei der Vor-
stellung des Konzeptentwurfs am Dienstagabend (22. August) im Forum am Hansaplatz.

Auf einer Skala von 1 (negative Beurteilung) bis 6 (positiv) lagen die Werte bei unterschiedlichen
Fragen fast durchweg zwischen 3 und 4. Mit 2,9 wurde die Sicherheit an Einmündungen und
Kreuzungen am schlechtesten bewertet, Konflikte mit Fußgängern gibt es aus Sicht der Radler
eher selten (4,5). Sichtbar wurde unter anderem, dass sich Radfahrer insbesondere auf der Barßeler Straße, auf der Straße Grüner Hof und auf der Kamper Brücke besonders unsicher fühlen.

Mit Blick auf den innerstädtischen Alltagsverkehr schlägt Schlüter vor allem vor, Verträglichkeit,
Akzeptanz und Rücksichtnahme für das Fahren auf der Straße mit einschlägigen Maßnahmen zu
fördern. Dazu gehören beispielsweise die verkehrsberuhigende Gestaltung des Straßenraums,
Geschwindigkeitsbeschränkungen oder auch, etwa im Bereich Tecklenburger Straße/Hinter
der Burgwiese, die Einrichtung von Fahrradstraßen. Fahrradpiktogramme auf der Fahrbahn, so
Schlüter, würden Autofahrern zudem deutlich zu verstehen geben, dass Radfahrer gleichbe-
rechtigte Verkehrsteilnehmer auf der Straße sind. Gleichzeitig würden sie auch den Radlern
deutlich machen, wo sie zu fahren haben. „Die Leute“, so Schlüter mit Blick auf den städtischen
Verkehr, „müssen verstehen, dass Radler die Straße benutzen müssen“. Allerdings sei vielen
Autofahrern nicht bekannt, dass und wie viel Abstand sie halten müssten. „Das bleibt ein The-
ma“, bedauerte er. Schutzstreifen für Radfahrer würden nicht viel bringen, „das ist eine Mög-
lichkeit, wenn man keine anderen Möglichkeiten hat“. Letztlich sei die gefühlte Sicherheit
dafür entscheidend, wo die Leute fahren, auch wenn die Unfallstatistik oft zu anderen Ergebnis-
sen käme.
In den Ortschaften stehen die Radverkehrsplaner zumeist vor anderen Aufgaben. Hier spielen,
so die Analyse des Ingenieurbüros, vor allem gefährliche Überquerungen eine Rolle. Oftmals
seien die Radwege auch schlicht in einem schlechten Zustand oder zu schmal. Verbreiterungen
könne man aber natürlich nur realisieren, wenn die Fläche da sei, gab Schlüter zu bedenken.
„In Ausnahmefällen muss man mit Engstellen leben.“
Auf eine schnelle Umsetzung des Konzeptes sollte man als Radfahrer nicht hoffen. „In
einem Radverkehrskonzept wird der mittel- bis langfristig angestrebte Zustand der Komponen-
ten des Systems Radverkehr festgelegt“, Schlüter. Zahlreiche Maßnahmen allerdings könnten
umgesetzt werden, wenn in den entsprechenden Bereichen ohnehin Bauarbeiten anstehen. Als
erste große Maßnahme, so Bürgermeister Sven Stratmann, käme der anstehende Umbau der
Straße Grüner Hof in Betracht. Dort wolle man, so Bürgermeister Sven Stratmann, Fahrradfah-
rer wie schon im Stadtzentrum in die Situation versetzen, „dass sie selbstbewusst auf der Straße
fahren und Autofahrer für den Radverkehr sensibilisieren“. Da dafür aber auch Platz benötigt
werde, müssten wahrscheinlich Parkplätze weichen.
„Die werden aber außerhalb der Gottesdienstzeiten eh kaum genutzt“, so Stratmann. „Und
wenn man fahrradfreundlich sein will, muss eben auch der ruhende Verkehr mal Einschrän-
kungen hinnehmen.“ Das Ergebnis der Umbaumaßnahmen könnte „eine Blaupause“ für die
anderen Einfallstraßen der Stadt, wie die Barßeler Straße, sein.

Copyright: OM-Medien / Münsterländische Tageszeitung Text und Foto von Heiner Stix.

 

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